Die Quintessenz des Zierfandlers - Ein Artikel aus dem Weinwisser No. 7+8/2010
Johann Stadlmann ist der Papst des Zierfandlers. Niemand sonst gelingen derart komplexe, ausdrucksvolle Weißweine dieser uralten Spezialsorte der südlich von Wien gelegenen Thermenregion.
Dabei geht der eher großbeerigen, dünnschaligen Sorte eigentlich das Fleisch und die Sinnlichkeit des Rotgipflers ab. Dennoch: Stadlmanns traditionell im großen Fass ausgebauten Weine sind tief und markant und seltener im ersten Moment präsent - ohne Karaffe tut man ihnen und sich daher unrecht. Doch wenn sie erst mal Luft geholt haben, einen ganzen Tag lang oder auch zwei, breiten sie ihre Albatrosflügel aus und überstrahlen mit Leichtigkeit alles, was rechts und links neben ihnen steht. Kaum anderswo werden Jahrgang und Lage derart treffsicher gespiegelt wie in den kraftvollen, kompakt strukturierten Zierfandlern von Stadlmann, die man getrost zum österreichischen Kulturgut zählen darf, allen voran die tief bewegende "Grosse Reserve" und natürlich den langlebigen Lagenwein "Mandel-Höh" von beinahe 50-jährigen Reben. (...)