In der Toskana muss es doch auch Weine geben, die besser sind, als das was man allgemein so kennt. Nicht nur uns geht es ja so, dass viele Chiantis zu säuerlich (nichts gegen Säure, im Gegenteil!), zu tanninig (nichts gegen Tannine, aber fein sollten sie sein) und zu dünn sind. Also machten wir uns auf die Suche, haben uns immer wieder Probeflaschen schicken lassen (leider hat sich nichts aufgedrängt) und sind u.a. auf die große Jubiläums-Chianti-Classico-Verkostung gefahren. Die Ankündigung hatte uns neugierig gemacht:

"Mit 300-jähriger Tradition ist das Chianti Classico das älteste Anbaugebiet der Welt. 40 Winzer präsentieren ihre Weine in München. Erfahren Sie direkt von den Erzeugern, was ihre Weine Gran Selezione, Riserva und Annata so einzigartig macht und kommen Sie in den vollen Genuss der ganzen Bandbreite des Chianti Classico."

Mit Eifer haben wir uns in die Verkostung gestürzt, wo uns aber bald die Realität eingeholt hat. Was fehlt uns, dass uns nur wenige Chiantis wirklich schmecken? Und nicht einmal ein hoher Preis war Garant für einen guten Wein. Oder liegt es gar nicht an den Weinen, sondern an uns? Diese Frage haben wir uns tatsächlich gestellt.

Nachdem wir die bekannten Namen durchprobiert hatten, kamen die uns unbekannten an die Reihe. Hier gab es durchaus ein paar interessante Weine. Am meisten waren wir gespannt auf ein Weingut, das nur Chiantis aus den Jahrgängen 2007 und 2008 anbot. Und siehe da: sowohl die Annata 2008 als auch die Riserva 2007 gefielen uns ausnehmend gut – für uns die besten und interessantesten Weine der gesamten Veranstaltung. Wir befürchteten, dass die Preise entsprechend auch die höchsten der Veranstaltung sind. Ist aber nicht so – Jubel!

Das Weingut Piemaggio geht (zurecht) davon aus, dass guter Sangiovese Zeit braucht, um sich von seiner besten Seite zu zeigen. Also gibt man ihm konsequenterweise diese Zeit. Denn nur dann zeige sich der authentische Sangiovese-Geschmack. Die Weine gehen erst dann in den Verkauf, wenn sie den Stil und den Qualitätsansatz des Weingutes tatsächlich repräsentieren.

Aber aufgepasst: Nicht jeder Chianti wird mit der Zeit besser. Da muss schon das "junge" Produkt stimmen. Wir haben auch zehnjährige Chiantis verkostet, die u.E. wohl niemals wirklich schmecken werden. Andererseits aber auch solche, die uns mit fast 20 Jahren begeistert haben.

Das Weingut Piemaggio und seine Weinberge liegen im Herzen des Chianti-Classico Gebietes in der Nähe von Castellina, eine Gegend die "Le Fioraie" genannt wird. "Fioraie", das sind die "Blumenmädchen". Sie gehen zurück auf eine Legende:

Vor langer Zeit wanderte ein Mönch tagelang betend durch diese Gegend. Es war Sommer und sehr heiß und wegen der hohen Temperaturen verlor er das Bewusstsein. Drei junge Schwestern, "Blumenmädchen", fanden den Mönch und gaben ihm ein wenig Rotwein um ihm zu helfen. Der Mönch wachte auf, weil der Wein so gut schmeckte und zog weiter. Einige Monate später kam er mit ein paar anderen Mönchen zurück und sie begannen, eine kleine Kirche zu bauen und pflanzten Weinstöcke, um guten Rotwein zu machen und ihn den Gemeindemitgliedern zu geben.

Die drei Blumenmädchen sind heute das Symbol und Logo von Piemaggio. 12 ha Weinberge werden bewirtschaft in einer Höhenlage zwischen 380 und 420 m ü.d.M. In Südwest-Ausrichtung, bestockt hauptsächlich mit Sangiovese, aber auch Colorino, Canaiolo, Merlot und Cabernet Sauvignon. Die Kalkmergelböden sind reich an Mineralien. Die Lese erfolgt ausschließlich von Hand mit zweimaliger Selektion: einmal im Weinberg, dann nochmalig auf dem Sortiertisch. Vergoren wird temperaturkontrolliert in Edelstahl. Der Ausbau erfolgt (teilweise) in französischen 500-l-Tonneaux. Michele Neri, der Weinmacher von Piemaggio, redet nicht nur davon, das Terroir zu respektieren, sondern praktiziert das auch (nicht nur im Anbieten von "trinkbaren" Jahrgängen).

Hochklassige Weine in trinkreifem Alter ohne Alterungsaufschlag! Demnächst bei uns!