Tagebuch eines Trinkers

Pinot Gris Haguenau de Bergheim

Reste-Trinker und -Esser

Am Samstag gab es bei mir ein vorweihnachtliches Essen. Mit Karl, seiner Frau Gudrun und Ingo, den Leser unserer Weinhefte inzwischen auch kennen sollten. Ein Arbeitsessen, denn wir haben nur getrunken, was wir selbst verkaufen oder zumindest einmal verkauft haben.

Gestern und heute gab's die Reste für mich. Über die man sich nicht beklagen sollte, handelte es sich doch um geschmorte Kalbsbäckchen und Stopfleber (als Burger mit in Gänseschmalz geröstetem Brioche, Blutwurst, Quittenmus und in Süßwein gebratenem Apfel), ein Gang, den ich für Samstag geplant hatte, zu dem ich aber im Küchenchaos einfach nicht mehr kam. (Nächstes Jahr brauche ich eine fähige, nüchterne Küchenhilfe.) Und auch über die Rest-Weine gibt’s nichts zu Klagen. Der kleine Schluck Clos Fourtet auch nach zwei Tagen ohne Korken im Warmen über jeden Zweifel erhaben. Der Doisy-Daene sowieso und dieser letzte 2009er bringt mich dazu, mir garantiert 2015 nach Hause zu holen für ein Essen in ferner Zukunft.

Am Samstag also begannen wir mit Intrabulleuse von Nicolas Morin. Gefolgt von einem Champagner, was eindrucksvoll zeigte, dass Nicolas' Pét'Nat sehr wohl in der Champagner-Liga spielt. Zum Essen gab's dazu Hirnkrapfen und Schweinsfußbuletten.

Danach drei reife Rieslinge von 2011. Geschmackssache, welchen man da am liebsten mochte. Mein Favorit: der Pettenthal von Kai Schätzel. Reifen Riesling empfehlen hierzulande sehr viele zur Maronensuppe. Gar nicht völlig verkehrt. Die Empfehlungen aus Frankreich sprechen eine ganz andere Sprache: Pinot Noir. Und sobald wir den Kammerberg 2006 von Becker geöffnet hatten, konnten wir dem nur beipflichten.

Der Spätburgunder passte auch noch zum Zwischengang: Ochsenschwanz, Auster, Camembert, Rote Bete.

Zu den geschmorten Kalbsbäckchen mit Maronen dann einen unendlich tiefen, dunklen Clos Fourtet.

Es gab wohl auch noch karamelisierten Chicorée mit Spekulatiusbutter und Banane, Zimt und Limettenzeste. War so geplant. Und durchgeführt habe ich es wohl auch, da ich am Sonntag die Überreste der Zutaten und eine völlig karamelisierte Pfanne vorgefunden habe. Allein mir fehlt die Erinnerung. War wohl nicht so gut. Schon seltsam. Den Gelben Traminer von Proidl dazu habe ich gemocht, auch weiß ich, dass wir danach noch einen Lebkuchentest gemacht haben und Nussecken von Gudrun gegessen, am Doisy-Daene nur noch genippt haben. Aber der Chicorée ist weg. Bedenklich, ich weiß.

Zum Schluss noch ein Buchtipp. Vor zwei Jahren hat mir mein Bruder ein ein ganz wundervolles Büchlein zu Weihnachten geschenkt: „Die Legende vom heiligen Trinker“ (Joseph Roth). Wenn Sie noch ein kleines Geschenk brauchen oder selbst gerne lesen – bestellen Sie es.

 (M.S.)