Tour de France 2018

Angers, Bordeaux, Languedoc, Rhône, Beaujolais, Alsace

 

Auf Facebook waren wir faul während unserer Tour und dann haben wir noch den Fehler gemacht, die ganzen Fotos, nicht auf Weinversand-Kerler zu posten, sondern auf unseren Privatseiten... Hier also wenigstens ein ausführlicher Bericht:

 

Wie immer viel zu früh (5 Uhr) gings in Nürnberg los. Aber wenn man auf dem Weg nach Angers eine Zwischenstation in der Champagne einschiebt, muss soviel Zeit eingeplant werden. Um 11 Uhr kamen wir dann auch pünktlich bei J.L. Vergnon an. Christoph Constant war zwar an diesem Samstag im Ausland unteerwegs, aber er hatte seinen Vater organisiert, um mit uns die Champagner zu verkosten. Gut, dass wir diesen Termin eingeschoben haben. Er bestätigte wieder einmal unsere in den letzten beiden Jahren sogar noch gewachsene Begeisterung, die mittlerweile auch von Eichelmann in seinem neuesten Champagnerbuch mit mehreren Höchstbewertungen geteilt wird.

 

Gestärkt und gut gelaunt fuhren wir weiter nach Angers, wo wir am späten Nachmittag eintrafen. Neben dem Salon des Vins de Loire gibt es hier immer noch einige interessante off-Messen. Beim Salon Saint Jean (in Grenier St. Jean, hauptsächlich Weingüter, die biodynamisch arbeiten) probieren wir immer „unsere“ Winzer (diesmal Tessa Laroche – Domaine aux Moines – und Emmanuel Turner-Pageot) sowie evtl. für uns interessante Weingüter und natürlich auch Weine, die von Mitbewerbern verkauft werden. Die Weißweine von Tessa waren noch Fassproben und im direkten Vergleich mit dem vorherigen Jahrgang noch sehr unruhig, aber wieder mit der typischen, fast extremen Salzigkeit und hohen Dichte. Wieder zeigte sich, dass auch für gute Weißweine gilt: Ältere Jahrgänge vorziehen! Der 2014er, den wir abends im Lokal tranken, wird gerade erst trinkreif! Zu Turner-Pageot kommen wir später, da wir Emmanuel auf dieser Tour noch zuhause besucht haben.

 

Sonntagvormittag war nochmals Salon Saint Jean angesagt, ohne dass wir noch etwas Besonderes fanden. Dann fuhren wir ins 40/50 km entfernte Saumur, wo in den riesigen Tuffsteinkellern von Ackermann die Dive Bouteille stattfand. Eine Messe mit biodynamischen und Naturweinen. Zu unserer Überraschung probierten wir einige gute Weine, aber wiederum nicht so gut, dass wir sie kaufen würden. Manche davon fanden wir einfach zu teuer. Insbesondere aus Bordeaux. Und Bordeaux sollte ja ein Schwerpunkt dieser Reise bei neuen Weingütern sein.

 

Montagvormittag eröffnete dann der Salon des Vins de Loire in Verbindung mit Demeter. Wir klapperten als erstes unsere Winzer ab: Francois Cazin, Petit Clocher, Bid'gi, Francois Crochet sowie Taluau et Foltzenlogel, um danach noch in der Demeter-Halle zu schnuppern. Hier gab es ein überraschendes Wiedersehen mit Pablo Hocht, der mittlerweile nicht mehr bei Château Saint Cosme arbeitet, sondern ausschließlich sein eigenes Weingut macht: Crève Coeur.

 

Noch vor 12 Uhr mittags brachen wir Richtung Bordeaux auf, wo wir für 2 ganze Tage Termine bei unbekannten Adressen vereinbart hatten. Das Ergebnis sei schon mal vorweggenommen: Wir haben mehr gefunden als erwartet. Was wir aber tatsächlich einkaufen, werden die nächsten Wochen zeigen. Hierzu demnächst mehr!

 

Am Mittwoch dann ein seltsames Erlebnis auf der Autobahn. Die Auffahrt, die wir nutzen wollten, war von der Polizei gesperrt. Kein Problem, das Navi lotste uns zur nächsten Auffahrt. Auf der Autobahn dann waren wir so ziemlich das einzige Fahrzeug. Und alle folgenden Ausfahrten gesperrt. Das Navi brachte irgendwann die Meldung „Störung der öffentlichen Sicherheit“, während wir einsam und alleine auf der leeren Autobahn unterwegs waren. Auf einem Rastplatz erfuhren wir dann, dass heute der „schwarze Mittwoch“ sei, an dem Bauern aus Protest mit Straßensperren die ganze Region lahm legen. Mangels Alternativen fuhren wir einfach weiter und hatten am Ende Glück, dass vor der Totalsperrung noch ein kleines Schlupfloch vorbei an Landmaschinen, brennenden Holzhaufen und aufgeschütteten Erdwällen geblieben war. So kamen wir dann erleichtert bei einem unserer jährlichen Lieblingstermine an: bei Brunnehilde Claux auf der Domaine de Courbissac. Hier planen wir immer etwas mehr Zeit ein. Zum Probieren, zum Plaudern … und am Schluss stand die Vereinbarung, im nächsten Jahr zum Abendessen und -trinken zu bleiben.

 

In diesem Jahr übernachteten wir in St.-Nazaire-de-Ladarez, in einem B&B mit Restaurant, dass von einem finnischen Paar betrieben wird. Hier verbrachten wir einen sehr angenehmen Abend in einer charmanten Unterkunft. Am nächsten Morgen dann Weinprobe bei La Lauzeta. Obwohl gerade die roten 2016er abgefüllt wurden, nahm sich Amélie die Zeit, die neuen Jahrgänge mit uns zu verkosten. Jauzimen (der Rosé) 2017 hat noch weniger Farbe als der 2016er, ist dafür aber noch intensiver im Geschmack. Die Feinheit ist ihm geblieben. Begeistert haben uns auch wieder die 16er in Rot. Die kommen aber erst im Herbst in den Verkauf. Also haben wir vom 2015er Mezura, der als erster produzierter Jahrgang von Tom Hills und Amélie auf Anhieb 3 Sterne Coup de Coeur im Guide Hachette 2018 erhalten hatte, die verbliebene Menge geordert. Der Toppwein La Lauzeta ist am Weingut schon ausverkauft.

 

Danach gings weiter zu Emmanuel Turner-Pageot, dessen Weine wir ja schon beim Salon St. Jean probiert hatten. Am meisten gespannt waren wir dabei auf den 2017er Le Blanc, der in seiner 16er Version trotz (oder wegen?) seines leichten „orange“-Wein-Anmutung großen Zuspruch gefunden hatte. Nach anfänglichen Bedenken, wegen der neuen Rebsortenzusammensetzung (jetzt auch mit einem Schuss Muscat), konnten wir erleichtert feststellen, dass der Le Blanc seinem Charakter treu geblieben und an Süffigkeit sogar noch etwas zugelegt hat. Und die roten 2015er, die jetzt bald kommen werden, gefallen uns noch besser als die 2014er. Außerordentlich der Rosé: kommt jetzt erst als 2016er! Mutig und begeistert haben wir hier noch größere Mengen bestellt. Emmanuel fuhr mit uns seine Weinberge ab, erklärte uns die verschiedenen Böden und Lagen und brachte uns dabei den von ihm praktizierten Ansatz der Permakultur bei. Mit einem von Emmanuel selbst zubereiteten Mittagessen ging dieser Besuch mit seinen Weinen auf leckere Weise eigentlich viel zu früh zu Ende ….

 

…. Aber wir mussten schon wieder weiter. Christophe Granier wartete auf Les Grandes Costesauf uns. Hier gefallen uns schon immer die Feinheit seiner Weine. Und mittlerweile kommt dieser Stil immer besser an. Am späten Nachmittag stand der nächste Termin, diesmal in Gigondas, auf dem Plan. Die Fassproben bei Saint Damien bestätigten die Vorschusslorbeeren für den Jahrgang 2016, der uns in seiner Stilistik besonders gefällt: viel Eleganz und Finesse. Für uns der bisher schönste Jahrgang von Romain Sorrel. Fürs Abendessen hatten wir – nicht zum ersten Mal – im CO2 in Avignon reserviert.

 

Trotzdem brachen am Freitagmorgen pünktlich auf zu Clos Bellane und La Ferme du Mont. Die Weine bestätigten den Eindruck von gestern: 2016 ist ein besonders finessenreicher Jahrgang. Nach der Mittagspause waren wir dann schon im nördlichen Rhônetal bei Johann Michel, um auch hier die 2016er zu verkosten. Den St. Joseph 2016 hatten wir im letzten Jahr schon im Fass probiert und auch reserviert. Leider aber musste Johann unsere Reservierung kürzen, da er nur eine geringe Menge zur Verfügung hat. Es ist sein erster Jahrgang St. Joseph von noch relaitv jungen Reben - sehr vielversprechend! Die 16er Cornas werden wir aber in der gewünschten Menge erhalten.

 

Es schlossen sich noch drei Termine an der nördlichen Rhône an. Beim ersten – ein relativ bekannter Name – gefielen uns die Weißweine überhaupt nicht. Alkoholisch und plump. Die Roten deutlich besser. Aber alles für uns zu teuer. Wie wir auf den zweiten Namen gekommen sind, wissen wir nicht mehr. Es war jedenfalls ein Fehler. Grausliche Etiketten (schlechter geht nicht), die zu den Weinen passen. Günstig wären sie gewesen … Zum dritten Termin hatten wir dann eigentlich keine Lust mehr. Aber Termin ist Termin und schließlich sind wir bei der Arbeit. Die wurde dann auch belohnt. Anthony Vallet präsentierte uns schöne St. Joseph in Weiß und in Rot und zu vernünftigen Preisen. Na bitte, geht doch!

 

Nachdem wir noch nie in Lyon waren und die Stadt nur vom zigmaligen Vorbei- oder Durchfahren kannten, war das Abendessen und die Übernachtung hier geplant. Eine wirklich gute Idee! Nach Lyon fahren wir auf jedenfall mal wieder.

 

Am Samstagmorgen war Lyon (fast) völlig ausgestorben als wir losfuhren nach Villié-Morgon zu Daniel Bouland. Der stellte uns seine 17er-Kollektion vor, in der er noch mehr parzellär gearbeitet hat. Daniel hat das Glück gehabt, von Frost und Hagel in 2017 weitgehend verschont geblieben zu sein. Seine Weine haben uns auch heuer wieder begeistert und stehen deutlich über dem, was wir in Angers auf den verschiedenen Messen probiert haben.

 

Dies war aber noch nicht unser letzter Termin. Der lag auf dem Heimweg, am Samstagnachmittag im Elsass, beim Weingut Xavier Wymann. Wir probierten die aktuellen 2016er (ja, hier gibt es jetzt ganz neu erst 2016) sowie eine ganze Reihe 2017er aus dem Tank. Die 2016er zeigen die Wymann-typische Geschmackstiefe und Komplexität (Spontangärung). Die Wymann-typische Restsüße wird aber von einer extrem feinen Säure wunderbar gepuffert. Das Ergebnis sind überaus „schöne“ und trinkfreudige Weine. Dass das Weingut nicht besser bekannt ist, verwundert doch. Schon seit über 20 Jahren wird hier biologisch gearbeitet, schon lange auch nach biodynamischen Prinzipien. Sogar mit Naturweinen experimentierte man schon vor vielen Jahren und wenn Jean-Luc gut drauf ist, kann man davon schon mal auch einen älteren Jahrgang kaufen. Aber Jean-Luc ist sehr bescheiden und zurückhaltend. Fast verschämt präsentiert er manchmal Traumweine. Da ist nichts, woraus man eine Story machen könnte. Schade. Oder gut so.